In akuten Notfällen ist die Nummer 144 in ganz Österreich die erste Anlaufstelle für schnelle Hilfe. Doch was geschieht eigentlich im Hintergrund, wenn man diesen wichtigen Notruf wählt? Ein Blick hinter die Kulissen der Leitstelle von Notruf Niederösterreich zeigt, wie die Notrufexperten arbeiten, um rasch die passende Hilfe zu entsenden.
Der Ablauf eines Notrufes: Präzision am Telefon
Wählt jemand in Niederösterreich die Nummer 144, wird die Verbindung zum nächstverfügbaren Notrufexperten hergestellt. Die Annahme eines Notrufes ist ein komplexer Prozess, bei dem Präzision und Empathie Hand in Hand gehen. Vom ersten Moment an sind die Mitarbeiter darauf geschult, die Situation in Sekundenschnelle zu erfassen. Das Gespräch beginnt mit der zentralen Frage: „Wo genau ist der Notfallort?“. Um fatale Fehler zu vermeiden, wird die Adresse umgehend verifiziert. Die Position des Mobiltelefons wird auf jeden Fall immer und laufend übermittelt. Im Anschluss wird nach der Rückrufnummer gefragt. Obwohl diese automatisch im System erscheint, dient die mündliche Abfrage als zusätzliche Sicherheit, falls das Gespräch abbricht. Die dritte und entscheidende Frage widmet sich dem Anliegen: „Was ist der Grund für den Anruf?“. Von diesem Moment an stellen die Notrufexperten gezielte Fragen, um die Situation und die Symptome des Patienten genau zu erfassen. Das mag für den Anrufenden nach einer langen Zeit klingen, doch tatsächlich wird parallel gearbeitet: Ein zweiter Mitarbeiter, der sogenannte Disponent, alarmiert bereits während des laufenden Gesprächs die richtigen Einsatzmittel. Die am Telefon gesammelten Informationen werden in Echtzeit über ein Einsatzleitsystem an den Disponenten übermittelt und an die Einsatzkräfte weitergeleitet.
Hilfe vor Ort: Der Melder als Ersthelfer
Während der Rettungswagen bereits unterwegs ist, gibt der Notrufexperte am Telefon wichtige Verhaltensanweisungen. In manchen Fällen, wie bei einer Reanimation, einer Geburt oder einem Erstickungsnotfall, leitet der Experte den Anrufenden Schritt für Schritt an. Eine ruhige und kooperative Zusammenarbeit, auch wenn der Anrufer in einer Ausnahmesituation ist, ist dabei entscheidend, denn nur so kann die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte bestmöglich genutzt werden. Der Experte bleibt solange in der Leitung, bis die Hilfe vor Ort eingetroffen ist.
Digitale Unterstützung für die Leitstelle
Ein wichtiger Fortschritt in der Notrufbearbeitung ist das System „EmergencyEye“, auch als „LeoAssist“ bekannt. Als erste österreichische Notrufleitstelle hat Notruf NÖ diese Plattform implementiert, die auch bei den Notrufen 144 und 141, der Gesundheitsberatung 1450 oder Krankentransportnummern zum Einsatz kommt. Nach Zustimmung des Anrufenden per SMS-Link können die Notrufexperten ein Live-Video über die Handykamera, Bilder und Audio empfangen und steuern. Dies ermöglicht es, sich ein genaueres Bild vom Einsatzort zu machen und die Situation besser einzuschätzen. Zusätzlich bietet das System eine Chatfunktion mit Übersetzungen in über zwölf Sprachen, was eine wichtige Hilfe bei Kommunikationsbarrieren darstellt.
Scherzanrufe sofort erkennen und deuten
Ein besonderer Fokus der Notrufexperten liegt darauf, Notrufe auch in schwierigen Situationen richtig zu deuten. So kommt es vor, dass Menschen in akuter Bedrohung nicht frei sprechen können. Ein Notruf, bei dem nur leises Atmen zu hören ist oder bei dem der Anrufende nur „eine Pizza bestellen“ will, wird nicht als Scherz abgetan. Die Mitarbeiter erkennen diese Codewörter, bleiben in der Leitung und senden sofort Hilfe aus. Denn ein Notruf, egal wie er getätigt wird, hat immer höchste Priorität. Leider gibt es auch immer wieder echte Scherzanrufe, die die Arbeit der Leitstelle massiv behindern. Jeder missbräuchliche Anruf bindet wertvolle Ressourcen, die im Ernstfall Leben retten könnten.
Wann kommt der Hubschrauber zum Einsatz?
Ein Rettungshubschrauber ist ein essenzielles Rettungsmittel in der Notfallversorgung, insbesondere bei lebensbedrohlichen Notfällen, Verkehrsunfällen oder für den schnellen Transport in Spezialkliniken. In bestimmten Notfällen ist der Luftweg die schnellste Möglichkeit, um einen Notarzt zum Patienten oder den Patienten in eine Klinik zu bringen. Die Entscheidung für einen Hubschraubereinsatz trifft die Leitstelle von Notruf Niederösterreich. Die Alarmierung erfolgt nach der sogenannten Ausrückordnung. In der Notrufleitstelle wird nicht nur der nächstgelegene Rettungswagen entsandt, sondern auch das am besten geeignete Einsatzmittel. Ein Notarzthubschrauber wird bei Einsätzen alarmiert, bei denen eine schnelle notärztliche Versorgung entscheidend ist und der Hubschrauber einen erheblichen Zeitvorteil gegenüber bodengebundenen Einsatzmitteln bietet. In Niederösterreich gibt es mehrere Notarzthubschrauber. Diese sind auf verschiedenen Stützpunkten stationiert, teilweise sogar mit 24-Stunden-Betrieb, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Der Disponent entsendet den Hubschrauber bei bestimmten Notfallbildern, wie zum Beispiel Polytraumata, akuten Herzproblemen oder bei schwer erreichbaren Unfallstellen. Dank der optimalen Vernetzung mit den Hubschrauberstützpunkten in Niederösterreich kann in diesen kritischen Situationen wertvolle Zeit gewonnen werden.